Adidas: Rhetorik vs. Realität

Einige Fakten zur Adidas Group:

Adidas Group

Marken: Adidas, Reebok, Taylormade, Rockport

Zahlen

  • Jährlicher Umsatz: 19,24 Milliarden US $[1]
  • Angestellte: 50,728[2]
  • Geschätzter Umsatz zur WM: 2 Milliarden €

Der Jahresumsatz der Adidas Gruppe liegt über dem Bruttoinlandsprodukt mehrerer Länder, in denen Adidas seine Zulieferbetriebe hat. Zum Beispiel:

  • Bosnien Herzegovina: 17,47 Milliarden US $[3]
  • Kambodscha: 14,04 Milliarden US $[4]
  • Honduras: 18,43 Milliarden US $[5]
  • Laos: 9,418 Milliarden US $[6]
  • Lesotho: $2,448 Milliarden US $[7]
  • Mazedonien: 9,613 Milliarden US $[8]
  • Mauritius: 10,49 Milliarden US $ [9]
  • Moldawien: 7,253 Milliarden US $[10]
  • Nicaragua: 10,51 Milliarden US $[11]

Produktion

Zulieferer: 977 Direktlieferanten, 132 Sublieferanten

Adidas hat Zulieferfabriken in der ganzen Welt mit der größten Produktion in: China, Vietnam, Japan, Indonesien, Brasilien, und anderen. Adidas veröffentlicht eine vollständige Liste der Namen und Adressen seiner Zulieferfabriken, die online abrufbar ist.[12]

Adidas und existenzischernde Löhne

Die Position von Adidas zu existenzsichernden Löhnen

Die Adidas-Gruppe gibt an, sich mit der Frage der fairen Löhne beschäftigt zu haben und zu dem Schluss gekommen zu sein, dass der beste Weg, um das allgemeine Wohlergehen der ArbeiterInnen zu verbessern, eine Zusammenarbeit mit ihren Geschäftspartnern auf der Unternehmensebene einschließe, um lohnbestimmende Maßnahmen einzuführen, die transparent seien und unter Berücksichtigung der Inputs von ArbeiterInnen entwickelt wurden.

Adidas führt zudem an, das Engagement von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in punkto Asia Floor Wage* (Asiatischer Grundlohn) zu schätzen und den Asiatischen Grundlohn als eine nützlichen Referenzlohn anzuerkennen, der eine breite Unterstützung von Seiten der Zivilbevölkerung und internationaler Gewerkschaften erfahre. Adidas verlange jedoch von seinen Zulieferern nicht, dieser Methode zur Berechnung der Lebenshaltungskosten ihrer ArbeiterInnen zu folgen. Adidas beschäftige sich weiterhin mit dem Thema Löhne im Rahmen des Engagements im Fair Wage Network.

* Die Asia Floor Wage Alliance ist ein Zusammenschluss von asiatischen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen (inkl. CCC) und hat eine Formel zur Berechnung eines asiatischen Existenzlohns (Asia Floor Wage) festgelegt.

Adidas Lohn-Strategie

Adidas ist Mitglied des Fair Wage Networks und glaubt, dass die Arbeit des Unternehmens zur Ermittlung von fairen Löhnen sowohl den individuellen Zulieferern als auch der Adidas-Gruppe dabei helfen wird, Management-Praktiken zu identifizieren, die zur Implementierung von fairen Löhnen führen. (Adidas bezieht sich hierbei auf die „12 Fair Wage Dimensionen“, basierend auf dem Ansatz des Fair Wage Networks). Diese Praktiken sollen in den nächsten fünf Jahren schrittweise entwickelt werden. Dazu gehöre auch die Entwicklung eines Maßstabs zur Berechnung eines existenzsichernden Lohns. Adidas macht weder Aussagen dazu, worin diese Maßstäbe bestehen, noch dazu, wann und wie sie sich konkret auf die realen Löhne der ArbeiterInenn auswirken werden.

Konkrete Maßnahmen

Laut eigenen Angaben nutzt Adidas eine sogenannte strategische Zulieferer-Liste, über die 85 Prozent aller Aufträge vergeben werden. Das Unternehmen gibt an, die Weitergabe von Aufträgen an Sub-Lieferanten nicht zu unterstützen. Die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns bzw. des vorherrschenden Industrielohns bei den jeweiligen Zulieferern von Adidas wird als Maßstab angeführt, um zu überprüfen, ob faire Löhne gezahlt werden.

Unser Kommentar:

Es ist bedauerlich, dass ein gigantisches Unternehmen wie Adidas immer noch nicht anerkennt, dass ein existenzsichernder Lohn weit über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen müsste. Obwohl sie nach ihren Angaben die „Frage der fairen Löhne “ im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im Fair Wage Network prüfen, hat dies keinerlei praktische Verpflichtung zur Einführung fairer Löhne in den Fabriken zur Folge. Dass Adidas immer noch Daten sammelt und mehr über existenzsichernde Löhne lernen will, wird der Dringlichkeit des Problems schon lange nicht mehr gerecht.

Solange der Adidas-Konzern seine signifkante Marktmacht nicht nutzt, um effektive Verbesserungen der Lohnsituation in den Zulieferfabriken anzustoßen, bleiben Adidas’ Bemühungen hinsichtlich fairer Löhne reine CSR-Rhetorik. Die Verantwortung für Löhne, die die Grundbedürfnisse der ArbeiterInnen abdecken, darf nicht auf die Zulieferer abgewälzt werden! Zumal diese von Konzernen wie Adidas massiv unter Druck gesetzt werden, billig zu produzieren.

Die Ergebnisse von insgesamt 50 Unternehmensbefragungen in puncto existenzsichernder Lohn sind im Bericht: “ Tailored Wages “ auf englisch veröffentlicht. Eine deutsche Zusammenfassung der Ergebnisse gibt der „ Firmencheck “.

Adidas und Arbeitsrechte

Probleme bei der Einhaltung von Arbeitsstandards

Wie fast alle großen Textilkonzerne verfügt Adidas kaum mehr über eigene Fabriken. Das Unternehmen hat die Produktion an mehr als 1.000 Zulieferfabriken und Lizenznehmer beinahe komplett ausgelagert. Was bedeutet das für die Arbeits- und Menschenrechte der NäherInnen, die die Sportartikel produzieren? Es bedeutet, dass der Konzern die Verantwortung für die ArbeiterInnen an Fabrikbesitzer in mehr als 60 Ländern abwälzt, in denen sich die gesetzlichen Grundlagen für den Schutz der ArbeiterInnenrechte und die Kapazitäten zu deren Kontrolle stark voneinander unterscheiden. Viele Regierungen in Asien und Lateinamerika weichen diese Gesetze jedoch auf oder richten Sonderwirtschaftszonen ein, in denen nationales Recht nicht mehr gilt. Das alles mit dem Ziel, international „konkurrenzfähig“ zu bleiben und transnationale Unternehmen nicht zu verschrecken. Auch wenn letztendlich die Fabrikbesitzer grundlegende internationales Arbeitsrecht (zum Beispiel der Kernkonventionen der IAO) verletzen und sich die Regierungen nicht für das Wohl der NäherInnen einsetzen, ist der Druck durch Konzerne auf beide Akteursgruppen die strukturelle Ursache der Ausbeutung. Daran ändern auch oberflächliche CSR-Normen nichts, die eher PR-Zwecken als dem Wohl der Menschen dienen. In Wirklichkeit haben sich die Produktionsbedingungen in den Zulieferern in vielen Ländern in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Erst kürzlich hat die Gewerkschaftlerin Estela Ramírez aus El Salvador der Christlichen Initiative Romero berichtet, dass die großen Zulieferfabriken, die direkt Aufträge von Adidas erhalten, die Produktion teilweise an sog. „geheime Werkstätten“ vergeben. Diese versichern die NäherInnen nicht und führen auch nichts an Rentenkassen ab.  Im Januar 2014 machte auch die staatliche Repression gegen demonstrierende ArbeiterInnen in Kambodscha Schlagzeilen. Das gemeinsame gewaltsame Vorgehen von Zulieferern und den staatlichen Sicherheitskräften stellt eine klare Verletzung der ILO-Kernarbeitnorm der Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit (Übereinkommen 87) dar.

Die am weitesten verbreitete Menschenrechtsverletzung ist aber immer noch die Zahlung von Hungerlöhnen. Adidas hält sich zwar an die nationalen Mindestlöhne, jedoch reichen diese für die ArbeiterInnen nicht annähernd aus, um ein Leben in Würde zu führen. Lange Zeit argumentierten die Textilriesen, es sei nicht möglich, einen länderübergreifenden existenzsichernden Lohn zu berechnen. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Konzepte eines fairen Lohns. Für den asiatischen Raum ist das Modell der Asia Floor Wage Alliance, das die Grundbedürfnisse von zwei Erwachsenen und zwei Kindern berücksichtig, am prominentesten.

Fazit: Warum Adidas mehr machen muss und kann

Bisher beschränkt sich das Engagement von Adidas für die NäherInnen auf grundlegende Sozialstandards wie Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie deren Überprüfung durch stichprobenartige und teilweise unabhängige Fabrikinspektionen. Außerdem setzt der Konzern auf „Wissenstransfer“ durch Trainingsmaßnahmen, in denen das Bewusstsein der Fabrikbesitzer für sichere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen gestärkt werden soll. Diese Maßnahmen, die im Übrigen nur einen kleinen Bruchteil der Fabriken abdecken, können nur greifen, wenn die strukturellen Rahmenbedingungen für die Zahlung existenzsichernder Löhne gegeben sind. Ein Unternehmen, dessen Jahresumsatz das Bruttoinlandsprodukt von zum Beispiel Kambodscha übersteigt, ist sicher in der Lage, den Fabrikbesitzern mehr für die Lieferungen zu bezahlen. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive ist dies durchaus nicht abwegig, weil die Zahlung eines fairen Grundlohns dem Konzern eine Pionierstellung und somit einen wichtigen Imagegewinn einbringen würde.

[1]www.forbes.com/companies/adidas/
[2]www.forbes.com/companies/adidas/
[3] data.worldbank.org/country/bosnia-and-herzegovina
[4] data.worldbank.org/country/Cambodia
[5] data.worldbank.org/country/honduras
[6] data.worldbank.org/country/lao-pdr
[7] data.worldbank.org/country/Lesotho
[8] data.worldbank.org/country/macedonia-fyr
[9] data.worldbank.org/country/mauritius
[10] data.worldbank.org/country/moldova
[11] data.worldbank.org/country/nicaragua
[12] http://www.adidas-group.com/media/filer_public/2014/06/17/2014_may_global_factory_list_en.pdf
 
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