Living Wage

Anfang 2014 hat die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) 50 international bekannte Bekleidungsunternehmen zu ihrem Engagement für existenzsichernde Löhne befragt, die den ArbeiterInnen in den weltweiten Zulieferfabriken ein Leben in Würde ermöglichen könnten. Auch Adidas nahm an der Befragung teil. Die Antworten zeigen wieder einmal, dass sich das Engagement des Konzerns für Menschen- und Arbeitsrechte weitgehend auf Rhetorik beschränkt:

Die Position von Adidas zu existenzsichernden Löhnen

Die Adidas-Gruppe gibt an, sich mit der Frage der fairen Löhne beschäftigt zu haben und zu dem Schluss gekommen zu sein, dass der beste Weg, um das allgemeine Wohlergehen der ArbeiterInnen zu verbessern, eine Zusammenarbeit mit ihren Geschäftspartnern auf der Unternehmensebene einschließe, um lohnbestimmende Maßnahmen einzuführen, die transparent seien und unter Berücksichtigung der Inputs von ArbeiterInnen entwickelt wurden.

Adidas führt zudem an, das Engagement von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in punkto Asia Floor Wage* (Asiatischer Grundlohn) zu schätzen und den Asiatischen Grundlohn als eine nützlichen Referenzlohn anzuerkennen, der eine breite Unterstützung von Seiten der Zivilbevölkerung und internationaler Gewerkschaften erfahre. Adidas verlange jedoch von seinen Zulieferern nicht, dieser Methode zur Berechnung der Lebenshaltungskosten ihrer ArbeiterInnen zu folgen. Adidas beschäftige sich weiterhin mit dem Thema Löhne im Rahmen des Engagements im Fair Wage Network.

* Die Asia Floor Wage Alliance ist ein Zusammenschluss von asiatischen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen (inkl. CCC) und hat eine Formel zur Berechnung eines asiatischen Existenzlohns (Asia Floor Wage) festgelegt.

 

Adidas Lohn-Strategie

Adidas ist Mitglied des Fair Wage Networks und glaubt, dass die Arbeit des Unternehmens zur Ermittlung von fairen Löhnen sowohl den individuellen Zulieferern als auch der Adidas-Gruppe dabei helfen wird, Management-Praktiken zu identifizieren, die zur Implementierung von fairen Löhnen führen. (Adidas bezieht sich hierbei auf die „12 Fair Wage Dimensionen“, basierend auf dem Ansatz des Fair Wage Networks). Diese Praktiken sollen in den nächsten fünf Jahren schrittweise entwickelt werden. Dazu gehöre auch die Entwicklung eines Maßstabs zur Berechnung eines existenzsichernden Lohns. Adidas macht weder Aussagen dazu, worin diese Maßstäbe bestehen, noch dazu, wann und wie sie sich konkret auf die realen Löhne der ArbeiterInenn auswirken werden.

Konkrete Maßnahmen

Laut eigenen Angaben nutzt Adidas eine sogenannte strategische Zulieferer-Liste, über die 85 Prozent aller Aufträge vergeben werden. Das Unternehmen gibt an, die Weitergabe von Aufträgen an Sub-Lieferanten nicht zu unterstützen. Die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns bzw. des vorherrschenden Industrielohns bei den jeweiligen Zulieferern von Adidas wird als Maßstab angeführt, um zu überprüfen, ob faire Löhne gezahlt werden.

Kommentar der Kampagne für Saubere Kleidung

Es ist bedauerlich, dass ein gigantisches Unternehmen wie Adidas immer noch nicht anerkennt, dass ein existenzsichernder Lohn weit über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen müsste. Obwohl sie nach ihren Angaben die „Frage der fairen Löhne “ im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im Fair Wage Network prüfen, hat dies keinerlei praktische Verpflichtung zur Einführung fairer Löhne in den Fabriken zur Folge. Dass Adidas immer noch Daten sammelt und mehr über existenzsichernde Löhne lernen will, wird der Dringlichkeit des Problems schon lange nicht mehr gerecht.

Solange der Adidas-Konzern seine signifkante Marktmacht nicht nutzt, um effektive Verbesserungen der Lohnsituation in den Zulieferfabriken anzustoßen, bleiben Adidas’ Bemühungen hinsichtlich fairer Löhne reine CSR-Rhetorik. Die Verantwortung für Löhne, die die Grundbedürfnisse der ArbeiterInnen abdecken, darf nicht auf die Zulieferer abgewälzt werden! Zumal diese von Konzernen wie Adidas massiv unter Druck gesetzt werden, billig zu produzieren.

Die Zusammenfassung über Adidas und existenzsichernde Löhne wurde der Werkmappe „Fit for fair?“ über Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie der Christlichen Initiative Romero e.V. entnommen. In der Werkmappe findet ihr auch die Stellungnahmen von Nike und Puma bezüglich fairer Löhne und Kommentare der Clean Clothes Campaign. Die Ergebnisse von insgesamt 50 Unternehmensbefragungen in puncto existenzsichernder Löhne in der Bekleidungsindustrie werden ab Mai 2014 in Deutschland veröffentlicht.

 

 

 

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