Sarin Nhek

 Sarin Nhek

Ich heiße Sarin Nhek und bin in der Takeo Provinz geboren, im Südwesten von Kambodscha. Ich bin an einem Montag geboren, daher heiße ich so. Meine ersten Erinnerungen, die ich habe, sind die an meine Eltern. Sie haben mich gut groß gezogen und ich erinnere mich am meisten an ihre großartigen Ratschläge.

Ich bin bis zur 7. Klasse zur Schule gegangen, das ist hier noch eine Klasse nach der Grundschule. Meine Eltern waren Bauern und ich brach die Schule ab, um bei ihnen mitzuarbeiten. Ich half ihnen in den Reisfeldern, bis ich 19 Jahre alt war. Mit 19 heiratete ich meinen Mann und zog zu ihm und seiner Familie nach Phnom Penh. Als ich 20 war, kam unser Sohn auf die Welt. Unsere Tochter kam ein paar Jahre später. Als sie drei Jahre alt war, begann ich als Hilfsarbeiterin auf Baustellen zu arbeiten. Später fand ich Arbeit als Strickerin, am Schluss landete ich in einer Textilfabrik. Ich bin jetzt seit mehr als 10 Jahren in Phnom Penh. Es hat sich in der Zeit nicht viel verändert, außer dass das Leben irgendwie immer schwieriger wird. Die Mieten sind angestiegen, das Studium meiner beiden Kinder – jetzt 22 und 18 Jahre alt- ist eine finanzielle Belastung.

Es ist sehr städtisch da wo wir leben. Es ist sehr hektisch mit vielen Menschen und vielen Häusern. Die meisten Leute in meiner Gegend arbeiten entweder in der Fabrik oder verdienen als Motorrad-Taxifahrer ihr Geld. Ich war in der Stadt noch nie weit weg von zu Hause. Ich war einmal bis zum Königspalast von Phnom Penh, aber ich war hier noch nie weiter weg an einem wirklich schönen Ort.

Mein Tag beginnt um 5.00h und ich mache Frühstück und Mittagessen. Um 6.30h nehme ich den Truck zur Fabrik, in der ich jetzt seit zwei Jahren arbeite. Um 7.00h beginnt die Schicht. In der Fabrik werden Schuhe gemacht. Es ist extrem heiß dort und die chemischen Gerüche der Klebstoffe, die wir benutzen, sind so stark, dass ich es kaum beschreiben kann. Dabei arbeite ich nicht einmal in der Klebe-Abteilung – ich bin Stoffeschneiderin. Trotz meines Alters und meiner mehrjährigen Arbeitserfahrung bin ich mit einem 6-Monatsvertrag angestellt, was meiner Meinung nach nicht in Ordnung ist. Im Durchschnitt, mit Überstunden und Boni, verdiene ich bei einer 6-Tage Woche 130 US$ im Monat.

Unsere Arbeit ist gefährlich – der Geruch der Klebe hat in der Vergangenheit schon Leute bewusstlos gemacht, andere haben Stromschläge bekommen. Es ist unsichere Arbeit und wir brauchen mehr Geld, um zu überleben. Um besser zu leben, bräuchte ich wenigstens 180 US$ im Monat. Ich mag die Fabrikleitung dort wo ich arbeite nicht. Sie sind unehrlich und schreien immer herum. Aber die Arbeiterinnen und Arbeiter mag ich. Ich habe vier oder fünf sehr enge Freunde bei der Arbeit und wir passen gegenseitig auf uns auf.

Zwischen 16.00h und 18.00h mache ich mich auf den Weg nach Hause. Oft esse ich mit meiner Tochter zusammen Abendessen, sie arbeitet auch in der Fabrik. Aber sie lernt Englisch und geht nach der Fabrik anschließend direkt zum Unterricht und ist in der Regel um 20.00h zu Hause. Mein Sohn lebt jetzt weit entfernt und ich sehe ihn von daher nicht so viel. Er mag Boxen und schaut das oft im Fernsehen, aber ein Fußball-Fan ist er nicht. Ich selbst habe in meinem Leben nicht ein einziges Mal Fußball gespielt. Sonntags bleiben meine Tochter und ich zu Hause und ruhen uns aus. Aber es gibt auch immer Hausarbeiten zu erledigen, Kochen und andere Sachen, die gemacht werden müssen.

Bei der Arbeit hatten wir kürzlich einen Streik und wir schafften es, 50% der Arbeiterschaft zu aktivieren und höhere Löhne einzufordern. Aber es war sehr viel Polizei da und die anderen hatten zu viel Angst, die Fabrik zu verlassen.

Die Polizei hielt Arbeiterinnen und Arbeiter auf, schüchterte sie ein und drohte, alle Streik-Führer zu verhaften – es war wirklich aufreibend. Ich bin eine Arbeitervertreterin in der Fabrik und das Unternehmen hat versucht mich dafür zu bezahlen, dass ich diese Arbeit sein lasse, aber ich habe das Geld nicht angenommen.

Mein Sohn hat mich in letzter Zeit auch sehr angestrengt. Als er hier wegzog kam er mit einigen kriminellen Menschen in Kontakt, er brauchte dann Geld und fing an Motorräder zu stehlen. Das ist zwar alles wieder in Ordnung und er hat jetzt einen Job, aber wir haben durch die Sache immer noch Schulden. Abgesehen davon ist meine Familie das, worauf ich in meinem Leben am meisten stolz bin. Ich habe einen Mann, der mich liebt, und gute Kinder.

Für die Zukunft wünsche ich mir, meine Familie glücklich zu wissen, gesund und gut versorgt. Das ist alles, was ich möchte oder brauche. Was das Schlimmste für die Zukunft wäre, traue ich mir gar nicht vorzustellen.

Ich würde gerne alle, die diesen Blog lesen, um Hilfe bitten. Unser Arbeitgeber redet immer davon, dass bald alles besser für uns wird, aber das ist nicht wahr. Es passiert nie etwas. Als Arbeitervertreterin habe ich versucht, Veränderungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in unserer Fabrik zu erwirken, aber damit es zu Veränderungen kommt, brauchen wir auch Eure Unterstützung.

Danke,

Sarin

 

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Ein Kommentar zu “Sarin Nhek

  1. Pingback: Liebe Deutsche: Fair bleiben – fair werden! | Ein Jahr ohne Kleiderkauf + danach

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